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Alarmstufe Rot in der deutschen Industrie

15. August 2019

Alarmstufe Rot in der deutschen Industrie

Im Hinblick auf die vor kurzem publik gewordene Tatsache, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Quartal und seit langer Zeit wieder sinkt, möchten wir Ihnen heute das KfW-ifo-Mittelstandsbarometer (KiM) vorstellen. Dieses fällt seit dem vierten Quartal des Jahres 2018 kontinuierlich.

Was ist der KfW-ifo-Mittelstandsbarometer?

Das KiM wird berechnet, indem jeden Monat rund 9.500 Unternehmen aus unterschiedlichen Branchen (darunter 8.000 mittelständische Firmen) zu ihrer wirtschaftlichen Situation befragt werden. Aus den Antworten ergibt sich eine Beurteilung der aktuellen Geschäftslage und die Erwartung an die Geschäftsentwicklung der nächsten sechs Monate. Hinzu kommen Beschäftigungserwartungen, inländische Absatzpreiserwartungen und Exporterwartungen (nur für Verarbeitendes Gewerbe) der nächsten drei Monate. Aus diesen Werten ergibt sich ein Graph, welcher monatlich fortgeführt wird und repräsentativ für die aktuelle Konjunktursituation steht. Die im Graph gezeigte Nulllinie beschreibt dabei den langfristigen Durchschnitt seit Januar 2005. KiM Werte über/unter Null zeigen folglich eine positive/negative Konjunktursituation an. Seit dem vierten Quartal des Jahres 2018 fallen die KiM Werte kontinuierlich und weisen somit eindeutig auf eine negative Konjunktursituation hin.

Die Industrie ist besonders stark betroffen

Wie in unserem Artikel „Zu hohe Lagerbestände beim deutschen Mittelstand“ deutlich wurde, sind zurzeit vor allem Unternehmen aus der Fertigungsbranche von der negativen konjunkturellen Lage betroffen. Eine Ursache dafür ist der immer wahrscheinlicher werdende „harte“ Brexit, welcher uns am 31. Oktober bevorstehen könnte, falls bis dahin kein Austrittsabkommen unterschrieben wird. Weiter setzt der derzeitige Handelskrieg zwischen den USA und China und die Zollpolitik der USA der Exportnation Deutschland zu. Aufgrund der Unsicherheiten, welche ein unregulierter Austritt Großbritanniens aus der EU oder die Einführung weiterer Zölle seitens der USA und China mit sich bringen, verringert sich auch die globale Investitionstätigkeit. Da deutsche Unternehmen der Fertigungsbranche sehr exportabhängig sind, ergeben sich aus Rückgängen der Investitionen ausländischer Unternehmen folglich Absatzprobleme für Exportgüter. Dazu kommt die die besondere Gefährdung des gesamten Automobilsektors, dem Wirtschaftsmotor Deutschlands, da Unsicherheiten über die Antriebstechnologie der Zukunft und die Gefahr von regulatorischen Eingriffen (z.B. Dieselfahrverboten) eine Welle von Gewinnwarnungen bei den größten deutschen Autoherstellern hervorrief.

Konjunkturaufschwung noch nicht abzusehen

Abgesehen von Unternehmen in der Fertigungsbranche, verlief die Kurve des allgemeinen mittelständischen Geschäftsklimas deutlich flacher als die der Großunternehmen. Tatsächlich ist die Differenz zwischen der Stimmung mittelständischer und großer Unternehmen so hoch wie seit über 10 Jahren nicht mehr. Die Ursache dafür liegt in der internationalen Verflechtung großer Unternehmen. Wie im vorangehenden Absatz bereits erklärt wurde, sind diese stärker und direkter von der sinkenden globalen Investitionstätigkeit betroffen. Mittelständische Unternehmen sind dagegen eher im deutschen und europäischen Binnenmarkt aktiv und lediglich indirekt betroffen. Vergessen dürfen wir dabei natürlich nicht, dass auch die Entwicklung des mittelständischen Geschäftsklimas stark gesunken ist und nur noch knapp über der Nulllinie liegt.

Ein Konjunkturaufschwung liegt zurzeit noch in weiter Ferne. Obwohl die Stimmungskurve mittelständischer Unternehmen noch deutlich flacher als die Stimmungskurve großer Unternehmen verläuft, werden zukünftig vor allem Zulieferer großer Unternehmen indirekt vom Rückgang globaler Investitionsmaßnahmen betroffen sein. Bis die Konjunktur auf ein robustes und steigendes Wirtschaftswachstum zurückkehrt, müssen vor allem verlässliche Handelsabkommen mit wichtigen Exportpartnern wie den USA oder China geschlossen werden. Vor allem die Handelsabkommen mit den USA gestalten sich zurzeit als schwierig, da unter der Trump-Regierung vermehrt Zölle eingeführt wurden – auch Zölle auf den deutschen Exportschlager Auto stehen im Raum. Die Einführung dieser angedrohten Zölle wäre fatal für die deutsche Wirtschaft, da die Exportquote der Automobilindustrie bei über 60 Prozent liegt (Statista) und neben den großen Automobilherstellern auch sämtliche Zulieferer betroffen wären.

Neben dem fallenden KiM weisen auch empirische Analysen auf eine bevorstehende konjunkturelle Abkühlung hin. Die Wirtschaftsleistung Deutschlands ist im zweiten Quartal des laufenden Jahres um 0,1Prozent gesunken. Damit werden die rückläufigen Exporte Deutschlands auch am BIP erkennbar. Zwar rechnet die Bundesregierung weiterhin mit einem insgesamt positiven Wirtschaftswachstum für das Jahr 2019 (+0,5%), allerdings lässt sich selbst bei einer Erfüllung dieser Prognose ein deutlicher Abwärtstrend im Vergleich zum Vorjahr erkennen (+1,4%).

Autor: Luca Gessner

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