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Wie sich Unternehmen optimal auf einen IPO vorbereiten können

10. September 2019

Wie sich Unternehmen optimal auf einen IPO vorbereiten können

Ein Börsengang (Initial Public Offering - IPO) ist für die meisten Unternehmen ein wichtiger strategischer Meilenstein in ihrer Unternehmensgeschichte. In diesem Blogeintrag möchte ich darauf eingehen, was Gründe und Ziele eines IPOs sind und erläutern, welche Schritte für einen erfolgreichen IPO nötig sind. Dabei orientiere ich mich an den empfohlenen Vorgaben der Unternehmensberatung Ernst & Young. Ich möchte vorwegnehmen, dass ein IPO jahrelanger Vorbereitung bedarf und externe Beratung essentiell für einen erfolgreichen Börsengang sind. Mein Beitrag beschreibt lediglich den Ablauf eines typischen Börsengangs und behandelt nicht jede Einzelheit dieses hochkomplexen Prozesses.

Vor- und Nachteile eines IPOs

Zunächst gilt es zu klären, welche Ziele mit einem Börsengang erreicht werden sollen und welche Vor- und Nachteile ein solches Vorhaben mit sich bringt. Ein Vorteil des Börsengangs lässt sich unmittelbar nach dem Verkauf der ersten Aktien in der Bilanz des Unternehmens feststellen. Da die Einnahmen der ausgegebenen Aktien dem Eigenkapital zufließen, wird dieses aufgebessert und sorgt somit für eine stabilere Finanzierungsstruktur. Damit einher gehen eine höhere Bonität und ein besseres Image des Unternehmens. Dies bietet dem Unternehmen, vor allem im Hinblick auf die Aufnahme neuer Bankenkredite und den damit verbundenen Wachstumsmöglichkeiten, einen entscheidenden Vorteil. Gleichzeitig müssen die Kosten eines IPOs beachtet werden. Da ein Unternehmen vor seinem Börsengang zwingend auf externe Beratung durch Experten angewiesen ist, fallen über längere Zeit Beratungskosten mit hohen Tagessätzen für die jeweiligen Experten an. Auch nach einem erfolgreichen IPO fallen laufende Kosten durch regelmäßige Berichterstattungen und der Betreuung von Investoren an. Trotz dieser hohen Kosten lohnt sich ein Börsengang häufig, da er indirekte Vorteile mit sich bringt. Ein Bespiel dafür ist die durch den IPO ausgelöste Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit, welche unmittelbar zur Akquise neuer Kunden und einer daraus resultierenden Umsatzsteigerung führen kann. Gleichzeitig fördert der Börsengang durch die optionale Einführung von Beteiligungsprogrammen (Mitarbeiter erhalten Aktien als „Incentives“, die unternehmerischen Ziele zu erreichen) die Bindung und Anwerbung hochqualifizierter Mitarbeiter. Durch Beteiligungsprogramme werden aus Management und Mitarbeitern Mitinhaber, wodurch sie stärker an dem Erfolg des Unternehmens interessiert sind. Selbstverständlich steigt gleichzeitig der Druck auf das Management, da es einem öffentlichen Performance-Druck ausgesetzt ist und durch potenzielle Interessenskonflikte strengen Corporate-Governance-Vorgaben ausgesetzt ist.

Die Vorbereitungsphase

Vor einem erfolgreichen Börsengang stehen eine sorgfältige Vorbereitung und Planung, welche sich oft über mehrere Jahre erstrecken. Der Prozess beginnt mit einer 6-monatigen Vorbereitungsphase. In dieser wird mit Hilfe eines sog. „IPO Readiness Assessment“ geprüft, inwiefern das Unternehmen nötige Strukturen für den Gang an die Börse aufweist. Dabei gilt es zunächst zu klären, welcher Kapitalmarkt und welche Börse zur Unternehmensstrategie passen. Die Auswahl des Börsenplatzes ist entscheidend, da unterschiedliche Börsenplätze verschiedene Anforderungen an interne Strukturen (steuerlich, rechtlich, organisatorisch) und Rechnungslegungsstandards stellen. Die Wahl des Börsenplatzes beeinflusst folglich alle weiteren Schritte und legt den Grundstein der nachfolgenden Planung.

Die Umsetzungsphase

Auf die Vorbereitungsphase folgt die Umsetzungsphase, welche 6 bis 12 Monate in Anspruch nimmt. In der Vorbereitungsphase wurden mit der Auswahl des Börsenplatzes Voraussetzungen für die strukturellen Anforderungen des Unternehmens gestellt. Diese Voraussetzungen müssen nun in die Strukturen des Unternehmens integriert werden. Durch die hohen regulatorischen Anforderungen sollte ein externes IPO Team, bestehend aus Banken, Anwälten, Wirtschaftsprüfern und Investor-Relations-Agenturen, aufgebaut werden. Anschließend kann der Due Diligence Prozess beginnen. Während dieses Prozesses wird eine geeignete Rechtsform für den Kapitalmarkt geschaffen und die Unternehmensstruktur transparenter gestaltet. Auch steuerliche Optimierungspotenziale werden ausfindig gemacht und implementiert. Weitere wichtige Voraussetzungen sind qualitativ hochwertige Präsentationsmaterialien, um Presse und Investoren vom eigenen Unternehmen überzeugen zu können. Darunter fallen u.a. eine integrierte Finanzplanung und Informationen über das Unternehmen und dessen Strategie. Eine integrierte Finanzplanung wird dabei nicht nur bei hochkomplexen Prozessen wie einem Börsengang benötigt. Auch für gewöhnliche Kreditvergaben ist eine integrierte Finanzplanung ein wichtiger erster Schritt, um den Anforderungen der Kreditgeber gerecht zu werden. Diese gibt den Kapitalgebern Transparenz über Ihr Unternehmen und folglich mehr Spielraum bei der Kreditvergabe. Gleichzeitig sind Sie mit einer integrierten Finanzplanung in Krisenzeiten auf sämtliche Szenarien vorbereitet und in der Lage, schnellstmöglich auf Veränderungen zu reagieren. Klicken Sie hier für mehr Informationen über unsere integrierte Finanzplanung.

Die Platzierungsphase

Der nächste Schritt ist die Platzierungsphase. Wenn das Unternehmen potenziellen Investoren vorgestellt wird, ist der erste Eindruck entscheidend. Aus diesem Grund sollte so früh wie möglich ein Wertpapierprospekt mit allen relevanten Informationen über das Unternehmen (Jahresabschlüsse, Stellungnahme zum Working Capital und Erläuterungen von Kennzahlen und Risikofaktoren) zusammengestellt werden. Auch bei diesem Prozess sind viele verschiedene Experten beteiligt, um alle relevanten Bereiche abdecken zu können. Als nächstes steht die Roadshow des Unternehmens an. Unter einer Roadshow versteht man die Reise des Management Teams und ihrer Berater durch verschiedene Städte (national oder international). Dort werden potenziellen Investoren das Unternehmen vorgestellt. Entsprechend wichtig ist es eine überzeugende „Equity Story“ vorzulegen, die die Unternehmensstrategie attraktiv darstellt. Vor dem IPO muss abschließend noch der Emissionspreis der Aktien bestimmt werden.

Die Notierungsphase

Nach dem erfolgreichen Börsengang folgt die Notierungsphase. Ein wichtiger Bestandteil dieser Phase ist die Betreuung der Investoren durch ein effektives Investor Relations Management (IR). Effektives IR zeichnet sich durch qualitativ hochwertige Berichte und deren terminliche Einhaltung aus. Ziel des IR ist es, das Unternehmen transparent für sämtliche Investoren zu machen und Überraschungen zu vermeiden. Ein zuverlässiges IR Team ist essentiell, um das Vertrauen der Investoren zu wahren, regulatorische Anforderungen zu erfüllen und seine Glaubwürdigkeit am Kapitalmarkt zu steigern. Ein fortlaufender Schritt der Notierungsphase ist die Verwendung der Emissionsgewinne gemäß der integrierten Finanzplanung, um schließlich Wachstum aus dem IPO generieren zu können.

Autor: Luca Gessner

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