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M&A Transaktionen chinesischer Unternehmen in Deutschland verringern sich deutlich

3. September 2019

M&A Transaktionen chinesischer Unternehmen in Deutschland verringern sich deutlich

Die Übernahmeaktivität chinesischer Investoren an deutschen Firmen ist dieses Jahr im Vergleich zu den Vorjahren eingebrochen. Dies geht aus einer neuen Studie der Unternehmensberatung Ernst & Young (EY) hervor. Demnach ist das Transaktionsvolumen chinesischer Unternehmenskäufe in Deutschland seit dem Jahr 2017 um ca. 96% gesunken (von ca. 13,7 Milliarden- auf 505 Millionen US-Dollar). Ich möchte in diesem Artikel beleuchten, was die Ursachen dieser Entwicklung sind und welches übergeordnete Ziel China mit Unternehmenskäufen in Deutschland verfolgt.

Den Hauptgrund für den radikalen Rückgang chinesischer Investitionen sehen die Experten EYs in der negativen Entwicklung des chinesischen Wirtschaftswachstums. Dieses liegt im zweiten Quartal des laufenden Jahres mit 6,2% auf dem niedrigsten Stand seit 1992. Chinas derzeitiges Wirtschaftswachstum von 6,2% gegenüber dem Vorjahresquartal ist im Gegensatz zu dem der USA (2,3% in Q2) oder Deutschlands (0% in Q2) weiterhin enorm. Allerdings lässt sich in den letzten Jahren ein eindeutig rückläufiger Trend erkennen. Vor allem der derzeitige Handelskonflikt mit den USA setzt dem exportorientierten China stark zu. Zudem sieht Yi Sun (China Expertin, EY) einen weiteren Grund für rückläufige Investitionen darin, dass chinesische Unternehmen, welche in den Vorjahren sehr aktiv auf dem deutschen Markt waren, nun eher damit beschäftigt sind erworbene Unternehmen zu integrieren oder weiterzuverkaufen.

Ein weiterer Grund für die rückläufigen Investitionen ist ein neues Vetorecht, welches dem Bund durch einen neuen Gesetzesentwurf im Dezember 2018 eingeräumt wurde. Dieses Vetorecht erlaubt es dem Gesetzgeber ab einer Übernahme von Firmenanteilen in Höhe von 10 Prozent, welche durch einen Investor außerhalb der EU beabsichtigt wird, ein Veto einzulegen. Dies betrifft insbesondere sicherheitsrelevante Bereiche wie Energieversorgung oder Schienen- und Straßennetze. Auslöser für den Gesetzesentwurf war die Beobachtung, dass Gewinne deutscher Unternehmen zunehmend ins Ausland abfließen. Laut einem Bericht der Zeitung „Welt“ flossen bereits im Jahr 2017 ein großer Teil der Gewinne deutscher DAX Unternehmen zu amerikanischen Fondsgesellschaften wie „BlackRock“ und „Vanguard“. In Zukunft wird dieses Problem vermehrt auftreten, da vor allem deutsche Startups Unterstützung von ausländischen Geldgebern erhalten und dementsprechend auch deren zukünftige Gewinne ins Ausland abfließen werden.

Grundsätzlich ist das Interesse chinesischer Investoren weiterhin vorhanden. Dies wurde nicht zuletzt durch die fünfprozentige Beteiligung des chinesischen Autokonzerns BAIC an Daimler deutlich. Aber warum sind chinesische Unternehmen überhaupt an der Übernahme deutschen Unternehmen interessiert? Laut einer ifo-Studie sind Unternehmen, welche von chinesischen Investoren übernommen werden, durchschnittlich siebenmal so groß wie Unternehmen, die von anderen ausländischen Investoren gekauft werden. Gleichzeitig verschulden sich chinesische Unternehmen dabei wesentlich höher (durchschnittlich 6,5 Prozentpunkte mehr). Gründe für diese Strategie sind die Ziele der chinesischen Wirtschaftspolitik, zusammengefasst unter den Begriffen „Neue Seidenstraße“ und „Made in China 2025“. Unter der Neuen Seidenstraße versteht man Chinas Pläne, neue Handelsrouten, bestehend aus einer Festlandroute und einem Seeweg, aufzubauen. Diese soll die wirtschaftliche Anbindung an Europa und die umliegenden asiatischen Staaten verbessern. Unter Made in China 2025 versteht man Chinas Ambitionen, in bestimmten Branchen Weltmarktführer zu werden. Dabei legt die Regierung besonderen Wert auf Telekommunikation, Stromversorgung, Eisenbahnen und Robotik. Um dieses Ziel zu erreichen, brauchen chinesische Unternehmen vor allem das technische Knowhow, um einen Zugang zum jeweiligen Markt zu erhalten. Der einfachste Weg, um dieses Wissen zu erlangen ist, ausländische Unternehmen mit dem benötigten Knowhow aufzukaufen. Rückblickend lässt sich diese Strategie bei bereits Erworbenen deutschen Unternehmen erkennen. Neben dem Kauf des Spezialmaschinenbauers „Krauss-Maffei“ und den Energiekonzernen „Wind MW“ und „EEW Energy from Waste“, übernahmen chinesische Investoren auch den Roboterbauer „Kuka“. Diese Investitionen sind repräsentativ für die globalen Ambitionen der Regierung und spiegeln die enge Verflechtung von Politik und Wirtschaft in China wider. Auch in Zukunft wird die Kontrolle chinesischer und auch ausländischer Unternehmen in China durch das neu etablierte „Social Credit“ System weiter zunehmen. Das „Social Credit“ System bewertet Unternehmen anhand ihrer Berücksichtigung regulatorischer Maßnahmen. Bei schlechten Bewertungen drohen Unternehmen Sanktionen wie Strafzahlungen, gezielte Unternehmensprüfungen und restriktive Vergaben staatlicher Genehmigungen.

Autor: Luca Gessner

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