« Zurück

Neue EU Regelungen erschweren KMU den Zugang zu Fremdkapital

8. August 2019

Neue EU Regelungen erschweren KMU den Zugang zu Fremdkapital

Seit Jahren wird es für kleine und mittelständische Unternehmen immer schwieriger Kredite zu erhalten. Auch in Zukunft werden die Finanzierungskosten von KMU durch zusätzliche Bankenregulierungen weiter ansteigen. Dies geht aus einer neuen Studie der Euler Hermes GmbH hervor. Grund dafür ist die Verabschiedung und Umsetzung der Bankenreformen Basel III und Basel IV, welche vom Basler Ausschuss für Bankenaufsicht beschlossen wurde. Ich möchte heute gerne näher beleuchten, worum es sich bei diesen Bankenreformen handelt und inwiefern Ihr Unternehmen davon betroffen sein könnte.

Basel III

Basel III wurde im September 2010 als Reaktion auf die Finanzkrise vom Baseler Ausschuss für Bankenaufsicht beschlossen und umfasst strengere Kapital- und Liquiditätsvorschriften für Bankinstitute. Diese neuen Regelungen der Bankenaufsicht schaffen strengere Voraussetzungen, um Kapitalinstrumente dem Eigenkapital anzurechnen. Da eine Bank für jeden Kredit, den sie ausgibt, einen gewissen Prozentsatz an Eigenmitteln halten muss (Mindestkapitalanforderung), sinkt bei geringerem Eigenkapital das Kreditvolumen. Die Idee hinter der Regelung bezweckt, dass die Ausgabe von Krediten durch Banken sinkt und weniger risikofreudige Kredite bevorzugt vergeben werden. Als erste weitgreifende Maßnahme wurde die vorgegebene Mindestanforderung des Kernkapitals der Banken von 4 auf 6 Prozent angehoben. Zudem wurde der Prozentsatz des Ergänzungskapitals auf 2 Prozent gesetzt und ein Kapitalerhaltungspuffer eingeführt, welcher Anfang dieses Jahres auf 2,5 Prozent angestiegen ist und lediglich in Krisenzeiten unterschritten werden darf. Folglich liegen die Mindestkapitalanforderungen für Banken seit diesem Jahr bei 10,5 Prozent – 2.5 Prozentpunkte höher als im Jahr 2010. Für eine Bank bedeutet diese Regelung, dass sie für einen Kredit von 1.000€ Eigenmittel im Wert von 105€ zurücklegen muss (im Gegensatz zu 80€ im Jahr 2010).

Einsparungen werden die Banken vor allem dort vornehmen, wo sie die höchste Wahrscheinlichkeit der Nichterfüllung von Rückzahlungen sehen. Betroffen sind damit hauptsächlich KMU mit geringer Bonität, da sie ein vergleichsweise hohes Risiko eines Kreditausfalls führen. Eine geringe Bonitätswertung kann durch eine risikoreiche Finanzstruktur (sehr viel Fremdkapital und wenig Eigenkapital), eine mangelhafte Liquiditätslage (zu wenig liquide Mittel), oder eine unsichere Ertragslage (die nachhaltige Fähigkeit Erträge zu erwirtschaften) verursacht werden.

Wenn Sie sich unsicher sind, ob ihr Unternehmen in Zukunft den Bonitätsanforderungen gerecht werden kann, oder wenn Sie versteckte Potenziale in ihrem Unternehmen entdecken möchten, klicken Sie hier für mehr Informationen über unsere Potenzialanalyse.

Basel IV

Basel IV wurde im Dezember 2017 beschlossen und beinhaltet neue Vorgaben über die Berechnung risikogewichteter Aktiva bei Banken. Risikogewichtete Aktiva sind sämtliche Aktiva einer Bank, die ein Risiko tragen und in verschiedene Risikoklassen eingeteilt werden müssen (anders als bei gewöhnlichen Unternehmen stehen Kredite wie Darlehen und Hypotheken auf der Aktivseite der Banken). Beispielsweise wird ein Darlehen an ein Unternehmen mit geringer Bonität in eine höhere Risikoklasse als ein Darlehen an ein Unternehmen mit hoher Bonität eingeteilt. Hohe Risikoklassen müssen mit mehr und niedrige Risikoklassen mit weniger Kapital abgesichert werden. Die neuen Regelungen sehen außerdem vor, dass interne Berechnungen der Banken mit mindestens 72,5 Prozent der standardisierten Modelle übereinstimmen müssen. Diese standardisierten Modelle wurden in Basel II festgelegt und umfassen Bewertungsmethoden für Kreditrisiken. Allerdings wurde es in Basel II den Banken noch überlassen, ob sie diese Bewertungsmethoden übernehmen oder eigene Bewertungsmethoden verwenden, welche risikofreudiger als die standardisierten Modelle sein können. Mit der neuen Regelung werden Banken dazu gezwungen ihre risikogewichteten Aktiva strenger zu bewerten und dementsprechend mit mehr Kapital abzusichern. Die Folgen dieser Veränderung sind noch nicht eindeutig abzusehen, da die Einführungsphase von Basel IV erst im Januar 2022 beginnt. Experten erwarten allerdings, dass die Folgen für KMU, ähnlich wie bei Basel III, vor allem Unternehmen mit geringer Bonität betreffen werden.

Ein wichtiger erster Schritt, um den Anforderungen der Kreditgeber als mittelständisches Unternehmen gerecht zu werden, ist eine integrierte Finanzplanung über mehrere Jahre. Diese gibt den Kapitalgebern Transparenz über Ihr Unternehmen und folglich mehr Spielraum bei ihrer Kreditvergabe. Gleichzeitig sind Sie mit einer integrierten Finanzplanung in Krisenzeiten auf sämtliche Szenarien vorbereitet und in der Lage, schnellstmöglich auf Veränderungen zu reagieren. Fordern Sie noch heute Ihre eigene integrierte Finanzplanung an. Klicken Sie hier für mehr Informationen über unsere integrierte Finanzplanung.

Autor: Luca Gessner

« Zurück