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Zu hohe Lagerbestände beim deutschen Mittelstand

6. August 2019

Zu hohe Lagerbestände beim deutschen Mittelstand

Aus einer letzten Monat erschienenen Studie der Euler Hermes Rating geht hervor, dass die Lagerbestände europäischer Unternehmen einen neuen Höchstwert seit 2012 erreicht haben. Besonders deutsche und italienische Unternehmen haben ihre Vorräte stark aufgestockt. Die Lagerreichweite deutscher KMUs stieg um durchschnittlich 6 Tage an, während der europäische Zuwachs bei lediglich 4 Tagen lag. Was ist die Lagerreichweite und warum ist sie insbesondere bei deutschen Unternehmen zu hoch?

Die Lagerreichweite bezeichnet die durchschnittliche Reichweite der Lagerbestände in Tagen. Sie gibt an, wie lange ein Unternehmen Kapital in Lagerbeständen bindet. Mit anderen Worten bezeichnet diese Kennzahl die Anzahl Tage, an denen sich Vorräte vom Wareneingang bis zum Verkauf im Unternehmen befinden. Je kleiner die Kennzahl Lagerreichweite ist, desto effizienter ist der „Forecast-to-Fulfill-Prozess“ (Lagermanagement) des Unternehmens. Eine Verkürzung des Zeitraums, in dem Kapital in den Lagerständen gebunden ist, führt folglich zu geringeren Lagerkosten.

Was können Gründe für die expansive Ausweitung der Lagerbestände deutscher KMUs sein? Die Studie gibt als Hauptgrund an, dass deutsche Unternehmen vor allem im Fertigungssektor stärker in den globalen Handel eingebunden und vom Export abhängig sind. Daraus resultierend führen seit dem 3. Quartal 2018 globale Unsicherheiten wie der Brexit, der neoprotektionistische Kurs der USA und der Rückgang des Wirtschaftswachstums in China zu einer geringeren Nachfrage und folglich zu unsicheren Absatzprognosen, welche einen Anstieg der Lagerbestände zur Folge haben. In Deutschland kann man diese Entwicklung besonders in der für die Wirtschaft ausschlaggebenden Automobilindustrie beobachten. Drohende Zölle auf Automobile und die Lage in China betreffen dabei nicht nur große Automobilexporteure wie Daimler und BMW, sondern auch sämtliche Automobilzulieferer.

Die gegebene Entwicklung der Lagerreichweite lässt Implikationen auf eine Abschwächung der Konjunktur zu. Sinkende Preise und Produktionsvolumina in der Fertigungsbranche bedeuten noch keine Rezession, aber sie spiegeln die allgemeine Stimmungslage der letzten Wochen und Monate in der deutschen Wirtschaft und Politik wider.

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Autor: Luca Gessner

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